Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Ein großes Tabuthema

In der heutigen Gesellschaft sind mehr Menschen als gedacht von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen. Dies zeigt eine repräsentative Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2004 zum Thema „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“. Diese hat ergeben, dass 22 Prozent aller befragten Frauen schon einmal Opfer sexueller Belästigung geworden sind. Ob bei der Arbeit, in der Schule oder der Ausbildung. Aber es trifft nicht nur Frauen auch Männer sind betroffen, wenn auch nicht ganz so häufig. Es ist ein wichtiges Thema und dennoch wird es oft verschwiegen. Das heißt, die Dunkelziffer solcher Vorfälle ist noch deutlich höher. Viele Betroffene schämen sich oder haben Angst und trauen sich nicht etwas zu sagen.  Negative Reaktionen von Arbeitgebern führen ebenfalls dazu, dass sexuelle Belästigung verharmlost oder gleich ganz verschwiegen wird.

Wo ist die Grenze?

Unter den Begriff sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, fällt mehr als die meisten Menschen glauben. Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, fällt jede unerwünschte Annäherung, sexueller Natur, die sich gegen eine Person richtet darunter. Das sind zum Beispiel „zufällige“ ungewollte Berührungen, sexuelle Anspielungen oder gar Aufforderungen zum Sex. Gegen all das kann man vorgehen aber dafür müssen die Betroffenen ihr Schweigen brechen!

Was kann ich tun?

Es muss öffentlich gemacht werden. Eine Möglichkeit ist, den Täter direkt darauf Anzusprechen, das erfordert allerdings viel Mut. Eine andere Möglichkeit: Den nächsten Vorgesetzen aufzusuchen, denn der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Mitarbeiter vor sexueller Belästigung zu schützen. Ebenfalls ist sexuelle Belästigung eine Verletzung der vertraglichen Pflichten (§ 3 Abs. 4 AGG stellen nach § 7 Abs. 3 AGG). Der Arbeitgeber kann deshalb Abmahnungen aussprechen oder gar fristlose Kündigungen, je nach Schwere der Tat (vgl. etwa BAG, Urteil vom 9.06.2011 – 2 AZR 323/10). Ist der Chef nicht der richtige Ansprechpartner oder die betroffene Person traut sich nicht, gibt es weitere Stellen um sich Hilfe zu holen. In größeren Betrieben gibt es häufig einen Betriebsrat, der für solche Fälle zuständig ist.

Was kann der Betriebsrat in solchen Fällen tun?

Der Betriebsrat sollte unbedingt dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter immer umfassend informiert sind. Es können verschiedene Maßnahmen getroffen werden. Mitarbeiter können mit Hilfe von Flyern, Plakaten, Handlungsanweisungen und Seminaren informiert und sensibilisiert werden. Es sollte bekannt gemacht werde, was so ein Verhalten für Konsequenzen nach sich ziehen kann. Außerdem sind auch bauliche Maßnahmen möglich, die solchen Vorfällen vorbeugen können, zum Beispiel ausreichende Beleuchtung oder spezielle Frauenparkplätze. Aber auch außerhalb des Unternehmens können betroffene sich Hilfe suchen. Zum Beispiel bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder speziell für Frauen gibt es das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Aber zuallererst muss sich jeder in so einer Situation klarmachen, dass ihm Unrecht geschieht und das es Möglichkeiten gibt sich zu wehren.    
0

Weitere Blog-Artikel zu diesem Thema:

Arbeitsschutzausschuss – kein Initiativrecht des Betriebsrats!
Mitbestimmung bei der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes
Mitbestimmung bei der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes